Über die Erfindung der Visitenkarte

Es besteht ein breiter Konsens darüber, dass Visitenkarten ihren Ursprung im 15. Jahrhundert in China haben. Damals war es üblich, kleine Karten aus Bambus herzustellen, die den Namen einer Person tragen. Diese Karten wurden dann in ein Fenster oder vor eine Tür gelegt, als eine Art Nachweis, dass man da war bzw. als Signal, dass man zurückkommen würde. Auch wenn Mitglieder der Oberschicht oder Elite eine Stadt (oder eine andere Elite) besuchten, war es notwendig, die Bevölkerung über ihre Ankunft zu informieren.

Die Erfindung der Visitenkarte, wie wir sie heute kennen, lässt sich vielmehr in die Zeit des Sonnenkönigs in Frankreich datieren, Ludwig XIV (1638 – 1715).

Erst als im ausgehenden Mittelalter die Fähigkeit des Lesens und Schreibens in den Oberschichten zunahm, wird wohl ein Bedürfnis für Visitenkarten entstanden sein. Traf ein Besucher im Haus niemanden an, so lag der Gedanke nahe, ein Zeichen seines vergeblichen Kommens zurückzulassen. Zumal auf die mitunter vergessliche oder nachlässige Dienerschaft nicht immer Verlass war.

Allerdings ist nicht sicher, wie man sich das Aussehen dieser Besuchskarten vorstellen muss. Vermutlich waren sie noch keineswegs alle gestochen, sondern bestanden, wie 60 im Geheimen Staatsarchiv in München erhalten gebliebene, am kurfürstlichen Hof Karl Theodors von der Pfalz von Gesandten, Agenten und anderen Pariser Besuchern abgegebene französische Exemplare aus dem Jahre 1759 bezeugen, aus Papierstreifen oder zerschnittenen und signierten Tarockkarten.